25.08.2017 10:03 von Christof Schreuer
Kategorie: Team-News

Hart, härter, Allgäu Triathlon.....

Christof Schreuer

Und hier die deutsche Version des Triathlon Eupen.... :-D Rookie Christof hat mal seine Gedanken zum ersten Halben in Worte gefasst.

Nach einigen Promos sowie ein paar Olympischen Distanzen entstand bei mir der Wunsch nach echten Schmerz und Qual.
Die konkrete Idee zum Allgäutriathlon manifestierte sich bereits im letzten Urlaub vor Ort in Immenstadt. Eine durchaus perfekte Triathlonlokation.
Tolle Schwimmstrecke mit stadionartiger Passage inkl. Landgang, schöne Laufstrecke am Alpsee und dazwischen eine noch unbekannte Radstrecke durchs Allgäuer Land. Dazu ist die Veranstaltung noch die
älteste und traditionsreichste Veranstaltung in Deutschland hatte ich irgendwo aufgeschnappt. Überall wird mit dem Schlagwort KULT geworben.
Das ich ausgerechnet dort meine Halbdistanzpremiere erleben sollte verdanke ich meiner eigenen Naivität. Ohne die erfahrenen Vereins-
kollegen zur Veranstaltung zu befragen wurde sich im Dezember zur Classic-Distanz angemeldet. Zudem hatte Kerstin Scheuer ebenfalls als Halbdistanz-Ersttäterin
auf der Classic-Distanz gemeldet. Dann kanns ja nicht so schlimm sein - dachte ich. Frauen machen ja vernünftige Dinge.
Grob wurde ein Trainingsplan mit maximal 13h pro Woche entworfen und ein paar Wettkämpfe in der Saison eingebaut.
Der Bonn-Triathlon im Juni sollte dann als Formtest dienen. Die paar Kilometer mehr Rad und die 6 km mehr Laufen sollten dann Ende August auch kein Hindernis mehr darstellen.
Und Höhenmeter auf dem Rad konnte ich in Bonn auch schon geniessen.

Die "Drittel"-Distanz in Bonn wurde schliesslich erfolgreich in 3:40 abgeschlossen. Folglich blickte ich zuversichtlich in den August - auf meine HD-Premiere im Allgäu.
Einige Wochen vor dem Start schmökerte ich auf der kultigen Veranstaltungssite und entdeckte das Höhenprofil der Radrunde - insgesamt ca. 1200 HM. Ich lass Namen wie Kalvarienberg und Kuhsteig.
Es sollte auch noch eine Bergsprint-Wertung geben. In einem Internetforum wurde über die Steigungsprozente der Radstrecke diskutiert.
Andy Mertens sprach von endlosen anspruchsvollen Anstiegen und kalten Temperaturen und Dauerregen. Oh jeh ! Ich reduzierte meinen Anspruch von einer bestimmte Zielzeit auf "Ankommen" unter 6h
(40min Schwimmen, 3h15min Rad und 2h Lauf).

Am 20.8. stand ich dann bei 12° Aussen- und 20° Wassertemperatur sowie trockenem Wetter in der Wechselzone und richtete mich ein. Hier ging es deutlich enger zu als bei unserer Heimveranstaltung.
Bis auf die Laufschuhe musste die Wettkampfbekleidung in eine Kiste plaziert werden und nach dem Wechseln auch dort wieder landen.
Gegen 8:00 gelangte ich mit der zweiten Herrenstartgruppe auf den Steg am Bühler Hafen. Ab ins Wasser und warten. 8:15, ein Kanonenschuss startet das Rennen, die Mädels auf den SUP-Boards öffneten die Startlinie, los gehts !
Meine Angstdiziplin Schwimmen lief bis zum Landgang im Bühler Hafen unspektakulär. Leider war der auf den Landgang folgende Hechtsprung zurück ins Wasser völlig unkontrolliert.
Infolge meldeten sich beide Waden mit heftigen Krämpfen. "Das wars", "Ende" und "vorbei" waren die ersten Gedanken. Von den Krämpfen geplagt paddelte ich weiter Richtung Ausstieg
der nach guten 38 Minuten erreicht wurde.
Rauf aufs Rad. Bereits nach 3 KM wartete der Kalvarienberg. Ein steiler Anstieg vergleichbar mit dem Eupener Esel. Zuschauermassen feuerten jeden an, heftige Gitarrenriffs trieben einen den Berg herauf.
Mein Vorhaben nicht gleich die kleinste Übersetzung aufzulegen wurde schon nach 20 Metern aufgegeben. Die nächste Steigung folgte dann gleich bei KM 10 als Einstimmung auf das was dann wartete.
Der Anstieg bei Niedersonthofen 4.5 km mit über 300 HM. Also wieder die ganz kleine Übersetzung und hoch. In weiser Voraussicht habe ich 4 Wochen vor dem Triathlon eine Kurbel mit 50 - 38 Kettenblättern
aufs Rad gebaut. Mit der alten 53 - 41 wäre ich mittem im Anstieg einfach umgefallen. Auch hier hämmerte einem ACDC's "Highway To Hell" entgegen. Und in jeder Steigung standen Zuschauer mit Kuhschellen, die einem Mut
zusprachen. Nach dem Wendepunkt bei KM 28 ging es über die letzten 150 HM der ersten Radrunde zurück nach Immenstadt. Eine junge Dame in extremer Zeitfahrposition und vielen Begleitmotorädern überholte
mich im Anstieg extrem zügig. Ich versuchte noch das übliche Boschmotörchen unterm Tretlager zu entdecken, aber sie entfernte sich zu schnell. "okay" dachte ich, das muss wohl Daniela Ryf gewesen sein.
Auf der zweiten Radrunde durfte ich die Anstiege abermals erleben und versuchte mich mit der tollen Landschaft abzulenken. Zufrieden erreichte ich nach 3h:10min die Wechselzone.

Jetzt nur irgendwie den Lauf überleben und dann "a Halbe" geniessen. Die ersten Kilometer am Alpsee vorbei liefen noch ganz gut, ein Schnitt unter 5min/km ging aber ein garnicht mehr.
Jede kleine Minimalsteigung schmerzte zunehmend, der Magen machte auch Probleme. Jochen Karsch kam mir fröhlich und locker bei KM 3 entgegen. Jede Verpflegung wurde jetzt ausgiebig genutzt,
denn auf KM 14 wartete noch der Kuhsteig. Ein kurzer steiler Trampelpfad mit 50 HM. Die üblichen Lügen wie "Du siehst gut aus", "Da geht was", "Super" wurden hier verbreitet.
Ich rettete mich mit einer Red Bull Schorle den Berg rauf. Jetzt nur noch 3 KM zum Wendepunkt in Immenstadt und zurück. Auf dem letzten KM wirkte dann der Red Bull, Zuschauer und Athleten die bereits
durch waren motivieren nochmal zu einem Schnitt unter 5min/km. Wieso ging das nicht die ganze Zeit.
Das Ziel erreicht ich dann glücklich und zufrieden nach 5h50min. Triathlon Urgestein Hannes Blaschke gratulierte und drückte einem die Finishermedaille in die Hand. Meine Gedanken im Ziel: "Was eine Qual. Nie wieder Halbdistanz ! Niemals !"
Und erst recht niemals eine Langdistanz ! Auch nicht Roth ! Das ist nur was für total BEKLOPPTE." Auf dem Weg zum Auto meinte dann ein Streckenposten: "Pfiat di, bis zum nächsten Jahr".
"Danke, war super, bis zum nächsten Jahr" habe ich geantwortet :-) !