14.10.2017 17:56 von Martin Brodel
Kategorie: Team-News

Olivier Henz löste Hawaii-Ticket

Kürzlich fand in Tenby der Ironman Wales statt. Olivier Henz vom Triathlon Team Eupen beendete den schweren Wettkampf bestehend aus 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen in 10:50:53 Stunden auf dem 92. Platz unter mehr als 1.500 Finishern. Dank des sechsten Platzes in der Altersklasse ab 45 Jahren gelang ihm die Qualifikation für den Ironman Hawaii 2018.

Geschwommen wird bei diesem Ironman im Meer, während die Radstrecke (2.500 Höhenmeter) und die Laufstrecke (mehr als 500 Höhenmeter) sehr schwierig sind und schnelle Zeiten unmöglich machen. Hinzu kamen sehr ungünstige Witterungsbedingungen. Sieger des Wettkampfs wurde der Australier Cameron Wurf in einer Zeit von 9:07:03 Stunden. Der Kölner Fabian Rahn, der dieses Jahr beim Eupener Promotriathlon startete, wurde in 9:33 Stunden Siebter. Bester Belgier war der Flame Joris Buyl, der in 9:50 Stunden Zehnter wurde. Bei den Frauen ging der Sieg an die Britin Lucy Gossage, die 10:11:20 Stunden benötigte. Der 46-jährige Olivier Henz stieg zunächst nach 1:11:22 Stunden als 615. aus dem Wasser. Beim Radfahren (5:54:22 Stunden) und beim Laufen (3:37:04 Stunden) machte er dann insgesamt mehr als 500 Plätze gut.

Das GrenzEcho befragte den in Eupen lebendenden und aus Bütgenbach stammenden Henz, der an der Architekturfakultät der Universität Lüttich unterrichtet, zu seiner Vorbereitung, seinem Wettkampf und den Start beim Ironman Hawaii 2018:

Der Ironman Wales findet recht spät im Jahr statt. Wieso haben Sie sich für diesen Wettkampf entschieden?

Die Teilnahme an diesem Wettkampf wurde mir wärmstens von meinem Klubkollegen Freddy Brüll empfohlen. Freddy war hier im letzten Jahr gestartet und schwärmt heute noch von der außergewöhnlichen Stimmung, denn die gesamte Kleinstadt Tenby ist während einer Woche im Ironmanfieber. Was aber letztendlich meine Entscheidung beeinflusst hatte, war die Anzahl der zur Verfügung stehenden Startplätze zur Langdistanzweltmeisterschaft in Hawaii. Entgegen den üblichen 40, standen in diesem Jahr hier insgesamt 65 Startplätze zur Verfügung, wovon allein acht in meiner Altersklasse von 45 bis 49 Jahren. Die Möglichkeit, sich also hier bereits für die Ironman WM 2018 zu qualifizieren, war dann auch dementsprechend höher.

Wie ist die Vorbereitung aus Ihrer Sicht gelaufen? Haben Sie dieses Mal etwas anders gemacht?

Wales war meine fünfte Teilnahme an einer Langdistanz. Nach Roth, wo ich 2015 als sogenannter „Rookie“ zum ersten Mal Langdistanzluft geschnuppert habe, unterlagen die folgenden Teilnahmen in Bolton, Vichy und Port Elisabeth schon dem Versuch sich für die Ironman WM zu qualifizieren. Nachdem es im April in Südafrika wieder nicht geklappt hatte, fiel die Entscheidung, in Wales zu starten, sehr kurzfristig. In den letzten Wochen der jetzigen Vorbereitungszeit hatte ich ein sehr gutes Gefühl in allen drei Disziplinen, welches sich dann auch im Wettkampf bestätigte.

Wie hat der Wettkampf für Sie begonnen?

Um sieben Uhr morgens erfolgte, bei mäßigem Wellengang, der Startschuss zu den 3,8 im Meer zu schwimmenden Kilometern. Das war meine durchschnittliche zu erwartende Schwimmzeit. Bei Spitzen bis zu Windstärke sieben und zeitweiligem Starkregen war die 180 Kilometer lange Radstrecke zu bewältigen. Zu diesen Witterungsbedingungen sowie den heftigen Anstiegen gesellten sich noch sehr gefährliche unübersichtliche Abfahrten auf teilweise mit Öl verschmutzten Straßen.

Dann kam noch der schwere Marathon. Haben Sie denn gar keinen Durchhänger gehabt?

Auch im abschließenden Marathon waren noch viele Höhenmeter zu bewältigen. Nein, einen Durchhänger hatte ich nicht. Sowohl beim Radfahren als auch beim Laufen habe ich die fünftbeste Zeit in meiner Altersklasse erzielt. Ich habe mir auf der Laufstrecke sogar den Luxus erlauben können, den späteren australischen Gesamtsieger Cameron Wurf, der mich überrundete, während fünf Kilometern zu begleiten.

Die Strecke des Ironman Wales ist schwierig und nicht vergleichbar mit den meisten anderen Langdistanzen. Welches ist Ihr Gesamtfazit zu Ihrer Leistung?

Als Gesamtfazit kann ich festgehalten, dass die geplante Strategie aufgegangen ist: auf dem Rad sich akribisch an die vorgesehenen Wattwerte zu halten und das Rennen mit einem soliden Marathon zu beenden. Dass der Ironman Wales schwierig ist und die Witterungsbedingungen es ebenfalls waren, konnte auch daran gemessen werden, dass 25 Prozent aller Teilnehmer nicht gefinisht haben.

Wann haben Sie von Ihrer Platzierung erfahren, die Sie zu einem Start beim Ironman Hawaii 2018 berechtigt?

Als ich meine Gesamtzeit von 10:50 Stunden im Ziel gesehen hatte, habe ich eigentlich nicht mehr an einer Qualifikation geglaubt. Gemäß den Resultaten des letzten Jahres hätte meine Zeit nicht mehr als 10:30 Stunden betragen dürfen um einen sicheren Startplatz zu erhalten. Meine Verwunderung und Freude war umso größer, als ich die Resultate online einsehen konnte: Sechster von 275 Startern meiner Altersklasse, was bedeutete, dass ich mit Sicherheit die Qualifikation für Hawaii 2018 geschafft hatte.

Was war Ihr erstes Gefühl und wie haben Sie später die Siegerehrung erlebt?

Erleichterung es geschafft zu haben. Es ist schon ein ergreifendes Gefühl auf der Siegerehrung den Slot, Blumenkranz und ein Liquid Aloha entgegennehmen zu dürfen.

Ihnen bleibt jetzt ein Jahr zur Vorbereitung. Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Erst mal wird genügend Regenerationszeit vorgesehen. Konkret ist noch nichts geplant. Der Wettkampf von Hawaii ist ein komplett anderer als jener von Wales. Geschwommen wird hier ohne Neoprenanzug, die Radstrecke sowie der Marathon sind etwas weniger anspruchsvoll, jedoch Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind hier nicht zu unterschätzen. Eine ausreichende Vorbereitung zur Akklimatisierung an diese Bedingungen wird wohl nötig sein.